
Die Region Basel braucht viel Strom. Er hält die Wirtschaft und die Industrie am Laufen und sorgt dafür, dass die Menschen in ihrem Daheim den gewohnten Komfort geniessen können. Daher laufen seit Ende Mai 2024 die Modernisierungsarbeiten am Unterwerk Lachmatt (Pratteln, BL). Sie umfassen eine neue 380-Kilovolt-Schaltanlage und einen Kuppeltransformator. Der Transformator ist das Herzstück eines Unterwerks. Mit ihm wird die Spannung von elektrischer Energie beziehungsweise von Strom erhöht oder reduziert. Der Transformator verbindet das 380-kV- mit dem 220-kV-Netz. Mit der Netzverstärkung sichert Swissgrid die Stromversorgung der Grossregion Basel für die Zukunft.
Das Unterwerk Lachmatt spielt auch eine wichtige Rolle für den Stromfluss an der Nordgrenze zu Deutschland und Frankreich. Der Stromaustausch zwischen der Schweiz und den benachbarten Ländern nimmt zu und die Modernisierung des Unterwerks sorgt dafür, dass das Netz auch den zukünftigen Anforderungen entspricht.
Marco Heim begleitet die Modernisierung mit dem Hauptfokus auf Umweltthemen von Seiten Swissgrid. Er arbeitet im engen Austausch mit Livia Goldbrunner, sie ist für Swissgrid Ansprechperson bei der Gruner AG – die Umweltbaubegleitung im Projekt Unterwerk Lachmatt.
Umweltbaubegleitung – wieso braucht es eine?
Auf solchen Baustellen gibt es viele Faktoren, die alle gleichzeitig überwacht und entsprechend bearbeitet werden müssen. Das Baselbieter Grossunternehmen Gruner AG wurde bei diesem Projekt von Swissgrid als Umweltbaubegleitung (UBB) angestellt. Eine UBB unterstützt dabei, ein Bauvorhaben rechtskonform zu realisieren, sie betreut alle Umweltbelangen und berät die Beteiligten bei Umweltproblemen auf der Baustelle. Der Baufortschritt muss stetig dokumentiert werden. Mit den Informationen aus der Umweltnotiz, die wesentlicher Bestandteil des Plangenehmigungsverfahrens (PGV) ist, hat die Gruner AG entsprechende Konzepte erarbeitet. Die Umweltnotiz zeigt auf, welche besonderen Aspekte bei diesem Projekt berücksichtigt werden müssen. Dazu gehören das Entsorgungs- und Entwässerungskonzept sowie Massnahmen zum Naturschutz und zur Biodiversitätsförderung, welche während und nach der Erneuerung umgesetzt werden.
Spuren bis 15 v. Chr.
Das Unterwerk befindet sich in der Nähe des Augusta Raurica und in einer archäologischen Schutzzone, was besondere Vorsicht bei Bodeneingriffen erfordert. Aus diesem Grund ist Swissgrid in Zusammenarbeit mit der UBB frühzeitig auf die Archäologie Baselland zugegangen, um den genauen Ablauf zu besprechen. Das Fachpersonal der Archäologie hat vor und während Projektbeginn eine Untersuchung der geplanten Bodeneingriffe durchgeführt. Es wurden zwar kleinere Objekte, jedoch nichts Nennenswertes gefunden. Da diese Untersuchungen von Anfang an gut geplant wurden, konnten die weiteren Bauarbeiten nach Plan durchgeführt werden.
Natur-, Landwirtschafts- und Landschaftsschutz
Neben der geschichtlichen Bedeutung des Standortes spielt auch der Natur-, Landwirtschafts- und Landschaftsschutz eine zentrale Rolle. Besonders einzigartig ist das südlich gelegene Amphibienlaichgebiet, welches eine nationale Bedeutung hat. Das Schutzgebiet wird zwar nicht von den Arbeiten tangiert, trotzdem wurde das gesamte Projektareal von der UBB auf Vorkommen von Reptilien, Amphibien, Insekten und geschützte Pflanzenarten geprüft. Gefunden wurden im Projektperimeter jedoch keine Arten, die geschützt oder auf der Roten Liste aufgeführt sind.
Ausserdem ist ein Teil des Unterwerks Lachmatt im Kataster (amtliches Grundstückverzeichnis) der belasteten Standorte verzeichnet, was weitere Anforderungen bei den Bauarbeiten mit sich bringt. Der Boden muss speziell genutzt, sprich der Aushub muss vor Ort zwischengelagert und möglichst wieder am gleichen Ort eingebaut werden. Nicht verwertbarer Aushub wird in den dafür vorgesehenen Deponien entsorgt. Entsprechende Bodenanalysen werden in jedem Grabungsbereich vor dem Eingriff genutzt, um das Aushubmaterial zu kategorisieren und den korrekten Umgang damit festzulegen. Neben den anthropogenen Verunreinigungen zeigten die Analysen jedoch auch geogene Belastungen des Bodens. Auch dieser Aushub erfordert eine besondere Behandlung.
Vom Bau zurück zu Grün
Vor dem Aushub wird gründlich auf Neophyten geprüft. Neophyten sind Pflanzenarten, die absichtlich oder versehentlich in ein Gebiet eingeführt wurden, in dem sie nicht heimisch sind, und sich dort verwildert haben; einige dieser Arten können invasiv sein und die einheimische Flora sowie Ökosysteme bedrohen. Bei einem Neophyten-Fund werden die Pflanzen samt Wurzelteile mit einem Bagger ausgegraben. Anschliessend werden die Maschinen und Geräte desinfiziert, der betroffene Aushub wird getrennt gelagert und beschriftet. Der kontaminierte Boden wird nach Vorschriften entsorgt, um auch hier die Verbreitung zu stoppen. Dieses Vorgehen verhindert aktiv die Samenausbreitung. Nach Projektabschluss erfolgt eine rasche Begrünung mit standortgerechten Pflanzen oder wenn möglich wird die Direktbegrünung angewendet. Drei Jahre nach Abschluss des Projektes finden Kontrollen zur Früherkennung von Neophyten statt.
Für alle entsorgten Materialien gilt, dass nach Beendigung der Bauarbeiten ein sogenannter Entsorgungsnachweis zu erstellen und der zuständigen Behörde vorzulegen ist. Dieser muss auch die Restbelastungen im Bereich der Bauarbeiten dokumentieren.
Tierischer Unterschlupf
Während den Bauarbeiten sind Elemente, aus denen sich Tiere nicht befreien können, zu vermeiden oder mit geeigneten Durchgängen zu versehen, damit die Kleintiere in der Bewegung nicht eingeschränkt sind. Sollten sich Tiere (Amphibien, Reptilien, Säugetiere) in den Baustellenbereich verirren, werden diese zeitnah und mit geeigneten Massnahmen wieder befreit.
Wieselburg
Für Kleintiere sind weitere Massnahmen geplant, wie zum Beispiel den Bau einer Wieselburg. Der Steinhaufen soll mindestens einen Meter hoch, drei bis fünf Meter lang und zwei Meter breit sein. Ausserdem sind Kleinstrukturen sowie mögliche Tümpel angedacht für Reptilien, Amphibien, Kleinsäuger und Insekten.
Swissgrid ist als nationale Netzgesellschaft für den sicheren Betrieb des Übertragungnetzes zuständig. Zu dieser Infrastruktur gehören auch die Unterwerke, welche Schaltanlagen und Transformatoren beinhalten. Unterwerke sind wichtige Knotenpunkte im Übertragungsnetz, weshalb sie regelmässig gewartet, saniert und erweitert werden müssen.